Die e-motion e-Bike Experten Gruppe ist bereits seit 2009 ein unabhängiger Verbund von wirtschaftlich eigenständigen Fachhändlern, die sich auf Elektrofahrräder spezialisiert haben. Wir finden für jeden das richtige Traum e-Bike.


Christof Steier ist der Belchenradler und e-Bike Guide/Fahrtechnikcoach der e-motion e-Bike Welt Freiburg Süd. Chris ist Natur- & Bewegungsmensch und leidenschaftlicher MTB- und Rennradfahrer. Als zertifizierter Bikeguide gibt er seine Erfahrung auf zwei Rädern gerne in Fahrtechniktrainings sowie e-Biketouren weiter. Für e-motion testet er die neuesten e-Bike Modelle auf Herz und Nieren. In der ersten Testreihe nimmt er drei Premium S-Pedelecs unter die Lupe. Den Anfang macht das Riese & Müller Supercharger2 GT Vario HS:
Vorstellung des Riese & Müller Supercharger 2 GT Vario HS
Fahreindrücke
Motor und Schaltung
Fazit
Hinter diesem etwas sperrigen Namen (HS steht bei Riese & Müller immer für High Speed = S-Pedelec) verbirgt sich ein Riese & Müller-Bike mit zwei im Ober- und Unterrohr integrierten 625-Wh-Akkus, in der Summe also mit einer Gesamtkapazität von unglaublichen 1250 Wh. „Vario“ im Namen bedeutet bei Riese & Müller, dass das Rad eine stufenlose Enviolo-380-Schaltung mit Riemenantrieb verbaut hat. „Liegt das Ziel auch noch so fern - das Supercharger2 bringt Sie hin“, verspricht Riese & Müller. Ja, das glaubt man ungeprüft. Und selbst wenn man gerade keine Tour ans Ende der Welt plant, ist es doch ungemein beruhigend zu wissen, dass man sich mit diesem S-Pedelec niemals Sorgen um die Reichweite machen muss. Das Supercharger2 GT Vario HS ist ein typisches Riese & Müller Rad. Es wirkt, als wäre es für die Ewigkeit gebaut. Alles ist sehr hochwertig und durch und durch solide konzipiert. Ein Gran-Turismo-(GT)-Pedelec, gemacht, um lange Strecken schnell und bequem absolvieren zu können. Das Design ist bei Riese & Müller Geschmackssache. Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Bei Riese & Müller gilt aber immer: „Form follows function“. Hier gibt es keine Kompromisse in der Funktion, nur um gefällig oder modisch zu sein.
Die Ausstattung ist, wie man es für ein Rad dieser Preisklasse fast erwarten darf, durchweg sehr hochwertig: Lichtanlage Supernova M99, Sattel Selle Royal, Griffe Ergon und Abus-Schloss. Zur Wahl stehen auch verschiedene Akkus, Gepäckträgersysteme vorne und hinten, Gepäcktaschen, eine GX-Ausstattung (ideal für den Einsatz abseits von asphaltierten Straßen), drei verschiedene Displays und vieles mehr. Da bleiben kaum Wünsche offen!

Bei meiner ersten Testfahrt auf dem Supercharger2 GT Vario, in der Farbe Silver Matt, fühle ich mich schnell zuhause. Das S-Pedelec ist schwer, aber nicht schwerfällig und lässt sich gut durch den Stadtverkehr manövrieren. Mööööp! Spätestens beim Sound der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen elektrischen Hupe wird mir klar, dass ich gerade auf einem „Leichtkraftrad“ und nicht mehr nur auf einem einfachen e-Bike sitze. Für den Einsatz im Großstadtdschungel ist das effektiv, aber um Fußgängern und Radfahrern nur den dezenten Hinweis zu geben, dass da ein schnelles „Rad“ kommt, empfehle ich zusätzlich eine normale Fahrradklingel.

Die Suntour-Aion-Federgabel verrichtet unauffällig ihren Dienst und sorgt in Kombination mit der rund 60 mm breiten 27,5-Zoll-Schwalbe-Bereifung für viel Komfort und Traktion, auch auf unbefestigten Wegen. Das Supercharger2 verfügt serienmäßig über eine Sattelstützenfederung. Diese ist eher unnötig für mich, da ich es vom e-MTB her gewohnt bin, wenn es ruppig wird, kurz aus dem Sattel zu gehen und meine Arme und Beine als Federelemente einzusetzen. Lieber wäre mir persönlich eine Teleskopsattelstütze. Egal, wie der Untergrund beschaffen ist, beim Supercharger2 wackelt nichts, da klappert nichts (dank Riemenantrieb) und selbst der Seitenständer wirkt so solide, als könnte er problemlos einen ganzen Baum abstützen.
Als Motor hat Riese & Müller den bärenstarken Bosch Performance Line Speed 4.0 verbaut (85 Nm und 350 W). Er schiebt das Supercharger2 in der Ebene souverän an und bietet auch am Berg genügend Kraftreserven. Auf einer langen Geraden in der Ebene will ich nun die maximale Unterstützung bis 45 km/h ausreizen. Etwas nachteilig wirkt sich hier jedoch für meinen Geschmack die beim Testrad verbaute Enviolo-380-Schaltung aus. Mit einer relativ geringen Bandbreite von 380 % hält die Schaltung weder besonders kleine noch besonders große Gänge bereit. Die Entfaltung reicht von 2,51 und 9,54 m (zurückgelegte Distanz im kleinsten und größten Gang).



Im urbanen Bereich bietet die stufenlose Enviolo viele Vorteile und Schaltkomfort. Sie lässt sich bei einem Ampelstopp problemlos im Stand schalten und ist so wartungsarm wie der gesamte Riemenantrieb. Bei einem S-Pedelec muss eine Schaltung jedoch einen grossen Geschwindigkeitsbereich abdecken und da stösst eine Schaltung mit 380 % an ihre Grenzen. Wer mit dem Supercharger2 Vario HS länger Geschwindigkeiten von 40-45 km/h treten will, bewegt sich in einem Trittfrequenzbereich, der derartig hoch ist, dass es wenig Spass macht. Schade – der Motor könnte mehr! Hier würde ich mir eine etwas längere Übersetzung wünschen, die besser zum entspannten Charakter des Supercharger2 Vario HS passt. Wer allerdings sein S-Pedelec ohnehin am liebsten im Bereich zwischen 30-35 km/h bewegt, wird sich daran kaum stören. Alternativ zur Enviolo Schaltung gibt es das Supercharger2 Vario HS auch mit einer 1 x 11 Shimano-SLX-Kettenschaltung , oder mit Riemenantrieb und Rohloff Speedhub E14.ss
Also insgesamt ist das S-Pedelec ein leistungsstarkes High-End-bike mit enormer Reichweite. Wie es im Vergleich zu den anderen getesteten S-Pedelecs abschneidet, werde ich in den kommenden Beiträgen berichten!
Euer Belchenradler Christof Steier Belchenradler: E-Biketouren Radreisen Fahrtechnik www.belchenradler.de